Cymaglyphen: Kymatik zeigt Delfinsprache

Cymaglyphen: Kymatik zeigt Delfinsprache - Blaubeerwald Institut Der Schall des Delfingesangs als "Cymaglyphe"

Der Schall des Delfingesangs als "Cymaglyphe" | Copyright: sonic-age.com/cymascope.com
 

Hope/ USA - Britischen und US-amerikanischen Forschern ist ein großer Fortschritt in der Erforschung der Delfinsprache gelungen. Mit kymatischen Bildgebungsverfahren, die durch die Sichtbarmachung stehender Wellen Struktur und Aufbau von Frequenz- und Schallwellen aufzeigen, ist es ihnen gelungen, die Laute der Tümmler erstmals bildhaft darzustellen und zuzuordnen.


Gemeinsam mit dem Delfinforscher Jack Kassewitz hat John Stuart Reid spezifische Delfinlaute in stehende Wellen auf einer flüssigen Oberfläche abgebildet und somit die Form der Schwingungen der Delfinklänge im Wasser dargestellt. Die dabei entstandenen Klangmuster nennen die Forscher "Cymaglyphen" (CymaGlyphs) und sollen als "Bildworte" die Grundlage eines Lexikons der Delfinsprache bilden.

Möglicherweise, so die Forscher, zeigen die Cymaglyphen sogar jene Muster, die die Tiere selbst wahrnehmen, wenn sie entweder ihre eigenen reflektierten oder die Schallstrahlen anderer Tiere wahrnehmen. Reid vergleicht die neue Methode sogar mit der Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen anhand des Rosetta-Steins: "Jetzt, da wir die Klick-, und Singlaute der Delfine auch grafisch und reproduzierbar darstellen können, haben wir ein wichtiges Werkzeug, um auch ihre Bedeutung entziffern zu können."

"Es gibt starke Indizien dafür, dass Delfine mittels Schall und Tönen sehen, fast so, wie wir Menschen Ultraschall verwenden, um Ungeborene im Mutterleib sehen zu können. Die neue Methode eröffnet uns zum ersten Mal einen Einblick in das, was Delfine anhand der von ihnen erzeugten Töne 'sehen'", so Kassewitz.

Die Forscher konnten zudem zeigen, dass sich die Töne - nicht wie bislang angenommen - in Wellen, sondern in Blasen und Strahlen, fortsetzten. Bei für das menschliche Ohr hörbare Frequenzen (20 Hertz to 20,000 Hertz) dominiert hierbei die Blasenform. Ab über 20.000 Hertz setzt sich der Form zusehends strahlenförmig - vergleichbar mit dem Scheinwerfer eines Leuchtturms - fort. Träfen diese auf eine Membran, würden sie das entsprechende Muster abbilden, so wie es jene Wasseroberfläche tut, auf welche die Forscher die aufgezeichneten Delfinklänge übertragen und dann fotografiert haben.

Jetzt wollen die Forscher anhand von wiederholten Experimenten herausfinden, welche Töne der Tiere angesichts welcher Objekte oder Situationen nutzen. Mit Hilfe der Cymaglyphen sollen diese dann katalogisiert und zugeordnet werden. "Unser Ziel ist es, irgendwann einmal anhand eines einfachen Ton-Vokabulars mit den Delphinen zu kommunizieren", hofft der Delfinforscher.

Cymaglyphe des Rufs eines Delfinkalbes and seine Mutter - Blaubeerwald InstitutCymaglyphe des Rufs eines Delfinkalbes and seine Mutter
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An dem Forschungsprojekt ist auch Dr. Horace Dobbs, der führende Erforscher der Delfin-Therapie beteiligt: "Ich bin schon lange der festen Überzeugung, dass das Delfingehirn - dessen proportionale Größe dem Hirn des Menschen gleich kommt - in ähnlicherweise visuelle Daten zu verarbeiten vermag, wie das unser Hirn. Die Natur lässt keine derart großen Hirmasse entstehen, ohne dass diese nicht auch einen entsprechenden Zweck erfüllt. Wir müssen uns also fragen, was Delfine mit einer derartige Hirnkapazität anfangen? (...) Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Delfine ein Art Schallaufnahme von Objekten erstellen und diese Informationen auch anderen Artgenossen mittels Tönen übermitteln können. Deshalb glauben wir, dass die Kommunikation der Tiere untereinander auf Bildern basiert. Aus diesem Grund ist auch die neue bildgebende Methode von Reid und Kassewitz plausibel und vielversprechend."

Die Cymaglyphen basieren auf einem schon seit längerem bekannten Verfahren in der Tradition der von dem Schweizer Arzt Hans Jenny entwickelten Kymatik, die wiederum auf den Erkenntnissen des deutschen Naturforschers Ernst F. F. Chladni (1756-1827) fußt, der mittels eines Geigenbogens mit feinem Sand bestreute Glasplatten zum Schwingen brachte und dabei die dann nach ihm benannten "Chladnischen Klangfiguren" entdeckte. In der Ausweitung dieser Phänomenbeobachtungen auf flüssige Medien und Wasser, entwickelte besonders der deutscher Klangforscher Alexander Lauterwasser eine exakte Phänomenologie und Typologie der durch Schwingungen und Klänge hervorgebrachten Formen und um Fragen der Morphogenese, der Gestaltbildungsprozesse in der Natur. Auch er hatte schon zuvor den Gesang der Buckelwale durch seine "Wasser-Klang-Bilder" abgebildet.

 

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