Trauern Delfine um ihre Toten?

Juli 2007 | Golf von Amvrakikos, Griechenland - Vom 3. bis 4. Juli wurde im Golf von Amvrakikos im westlichen Griechenland ein Großer Tümmler beobachtet, der sich mehrere Stunden lang intensiv mit einem toten Neugeborenen Tümmler beschäftigte.

Die Beobachtungen wurden mit 532 Digitalfotos am ersten Tag und mit 138 Aufnahmen vom zweiten Tag dokumentiert. Eine Auswahl von 48 Fotos wurde auf der Webseite des Ionian Dolphin Project veröffentlicht.

Juli 2002 - Vor der Kanarischen Insel La Gomera konnte ein bisher kaum dokumentiertes Verhalten von Delfinen genau beobachtet werden. Ein Weibchen einer Gruppe von Rauzahndelfinen (Steno bredanensis) trug tagelang ihr totes Neugeborenes mit sich. Die Delfinmutter hielt es im Maul oder stupste es immer wieder mit ihrem Körper an die Wasseroberfläche. Sie wurde dabei von anderen Gruppenmitgliedern begleitet und unterstützt.

"Solches Beistandsverhalten wurde bei Walen und Delfinen erst selten beschrieben. Völlig unklar war bisher, wie lange dieses Verhalten anhält und wann die Mütter schließlich von ihrem Nachwuchs ablassen. Unsere Beobachtungen belegen zum ersten Mal, dass über Tage hinweg Beistand geleistet wird", so der Verhaltensbiologe Fabian Ritter vom Verein M.E.E.R. aus Berlin.Das Muttertier blieb ständig in der Nähe des Neugeborenen, das entweder schon tot zur Welt kam oder kurz nach der Geburt starb. Die Gruppe von etwa 15 Delfinen, zu denen das Weibchen gehörte, wurde innerhalb von fünf Tagen sechs mal gesehen, und immer war die Situation die gleiche.

Die anderen Tiere der Delfingruppe stellten sich offenbar auf das Schicksal von Mutter und Jungtier ein. Das Weibchen wurde dauerhaft von zwei weiteren Delfinen eskortiert und auch andere Mitglieder der Gruppe wurden immer wieder in der unmittelbaren Nähe des Weibchens gesehen. Zudem schwamm die ganze Gruppe mit sehr langsamer Geschwindigkeit und hielt sich in diesen Tagen anscheinend ständig in einem bestimmten Gebiet von nur wenigen Quadratkilometern Größe auf.

"Dies sind Hinweise darauf, dass das Muttertier Unterstützung von der ganzen Gruppe erhielt. Am fünften Tag unserer Beobachtungen war es auch ein Delfin aus der 'Eskorte', welcher das tote Jungtier an der Oberfläche hielt und sogar vor den Angriffen von Möven schützte, die sich für den Kadaver interessierten", berichtet der Biologe.

"Wir wissen nicht, warum dieses Verhalten so lange andauert und welches Zweck es hat. Ob es sich etwa um einen Rettungsversuch handelt oder tatsächlich um Trauer. Die Tatsache, dass ein totes Jungtier das Verhalten einer ganzen Delfingruppe über Tage hinweg beeinflusst, deutet auf starke soziale Bindungen bei den wissenschaftlich nur wenig erforschten Rauzahndelfinen hin" so Ritter abschließend.

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